Agnes Callard, Jahrgang 1976, ist Professorin für Philosophie an der University of Chicago und forscht insbesondere zur antiken Philosophie und Ethik. Sie verbindet dabei die philosophische Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Lebenspraxis – und diskutiert diese Verbindung im Rahmen eines bemerkenswerten Engagements für öffentliche Philosophie: Sie schreibt regelmäßig für The New Yorker, die New York Times, The Atlantic, Harper’s, Boston Review sowie The Point.

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1. Was haben Sie im Studium fürs Leben gelernt?
Wie man Stifte dreht. Das meiste meines vorherigen „Wissens“ ist seitdem ersetzt worden.

2. Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Als Babysitter; ich habe es geliebt, ich war ungefähr auf Augenhöhe mit den Kindern, auf die ich aufgepasst habe.

3. Wie sieht ein gelungener Tag in Ihrem Leben aus?
Wenn ich viel Zeit zum Lesen, Reden und Schreiben habe, und zwar in etwa zu gleichen Teilen.

4. Was haben Sie beschlossen, immer wieder zu tun?
Platons „Gorgias“ zu lesen.

5. Was ertragen Sie nur mit Humor?
Wenn ich gezwungen bin, in einem anderen Stil als meinem eigenen zu schreiben (z. B. für bürokratische Zwecke).

6. Ihr Motto?
Widerlegen und widerlegt werden.

7. Was wollten Sie als Kind werden?
Butler, weil ich von P.G. Wodehouse’ Jeeves-und-Wooster-Büchern besessen war.

8. Welcher Künstler beeindruckt Sie?
Robert Musil. 

9. Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Menschen am meisten?
Neugier, Ernsthaftigkeit, Energie.

10. Ihr liebstes Smalltalk-Thema?
Warum wir Small Talk betreiben, obwohl fast niemand ihn interessant zu finden scheint.

11. Welcher Illusion geben Sie sich gerne hin?
Dass mein Sohn (17), der Architekt werden möchte, mir eines Tages mein Traumhaus entwerfen und bauen wird.

12. Eine Entdeckung, die Sie erst kürzlich gemacht haben?
Dass ich mein ganzes Leben lang meine Schuhe falsch (verkehrt herum) geschnürt habe.

13. Ihr Lieblingsfilm?
Ingmar Bergman, Szenen einer Ehe.

14. Was nehmen Sie immer mit?
Kopfhörer.

15. Welchen Satz haben Sie sich zuletzt aus einem Buch notiert?
„Ich beneide alle Menschen, weil ich nicht sie bin.“ Fernando Pessoa

16. Ihre Lieblingskritiker?
Robert Warshow.

17. Ein Buch, das Ihr Leben verändert hat?
In jüngerer Zeit: Harvey Sacks’ Lectures on Conversation.